Woran ich merke, dass mein Klickverhalten getrackt wird

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In Zeiten von NSA-Skandal und sozialen Graphen gehen wir davon aus, dass unser Verhalten auf Webseiten getrackt wird. Die Annahme ist richtig. Allerdings ist das technisch gar nicht so trivial zu erreichen und wir können die Tracking-Methoden meist ohne besondere Analysewerkzeuge im Browser erkennen.

Wer bei Twitter schon lange URLs in seinen Posts hatte, wird gemerkt haben, dass diese nur ca. 20 Zeichen vom Tweet in Anspruch nehmen. Der Grund dafür ist der Twitter-eigene URL-Shortener, der für lange URLs eine kurze URL erzeugt, die dann im Tweet benutzt werden kann. Früher musste man diesen Schritt manuell machen, um Zeichen zu sparen, heute geht das ganz automatisch. Das ist bequem für den Autor und der Leser bekommt davon auch wenig mit, weil Twitter einen Ausschnitt der ursprünglichen URL anzeigt, statt der kryptischen verkürzten URL.

Wer aber mal sehr kurze URLs getwittert hat (z.B. weil man bereits einen URL-Shortener eingesetzt hat), wird gemerkt haben, dass auch diese von Twitter "verkürzt" werden. Dass es technisch einfacher wäre, als Links gleichermaßen zu bearbeiten, ist kein Argument, weil die zwei Zeilen Code für die Unterscheidung Twitter weniger Kosten als der Speicherplatz beim Shortener-Dienst. Also muss es eine andere Erklärung für Twitters URL Bearbeitung geben.

Die Antwort liegt in der Struktur von HTML. Auch dynamische Webseiten von heute setzen in auf HTML, um Links anzuzeigen. Links stehen in <a>-Tags, in denen im href=-Attribut das Ziel des links angegeben ist. Wird auf einen Link geklickt, ruft der Browser die in href= spezifizierte URL auf, als ob man sie direkt in die Adressleiste eingegeben hätte. Die Webseite auf der sich der Link befindet, bekommt von diesem Aufruf eigentlich nichts mit. Lediglich die Zielseite registriert den Aufruf, da sie ja jetzt Daten liefern muss. Bleiben die Links auf der gleichen Plattform, kann es dem Anbieter egal sein, ob die Quellseite den Klick registriert, weil die Zielseite ja registriert ist und der Anbieter damit schon Informationen zum Verhalten des Users sammeln kann (dagegen kann man als User wenig tun). Geht der Link aber auf eine externe Seite würde Twitter oder Google oder wer auch immer nichts davon merken.

Die häufigste Methode der Anbieter besteht darin den Link nicht dort hin auszuführen, wo der Anwender eigentlich landen will. Stattdessen führt der Link auf eine Seite, die registriert, dass sie aufgerufen wurde, nichts anzeigt und den Anwender so schnell wie möglich auf die eigentlich gewünschte Seite weiterleitet. Technisch ist das genau das, was ein URL-Shortener tut.

Twitter erhebt also gezielt Daten, auf welche Links ich in Tweets klicke und auf welche nicht. Dass diese Information für Werbetreibende interessant ist, erschließt sich leicht und damit ist auch klar, dass diese Information einiges an Geld wert ist. Google verwendet in seiner Suche übrigens die exakt gleiche Methode, um herauszufinden, welche Suchergebnisse geklickt werden und welche nicht. Im Fall von Google kann man sich wehren, indem man Startpage verwendet. Startpage ruft Google für dich auf und entfernt die Umleitungslinks für dich, sodass du eine Ergebnisliste mit Links bekommst, die dich direkt zur gesuchten Seite leiten, ohne die Google-Statistik zu füttern. Bei Twitter kenne ich leider noch keinen Client, der so eine Funktion bietet.

Diaspora-Nutzer müssen sich übrigens keine Gedanken zu diesem Problem machen, da URLs in Diaspora nicht verkürzt werden müssen und daher alle Links so erscheinen, wie der Post-Autor sie eingegeben hat. Findeco verwendet auch direkte Links im Microblogging, zieht aber trotzdem nur 20 Zeichen pro Link von der Zeichenanzahl ab.

Die Redirects wie bei Twitter und Google sind nicht die einzige Möglichkeit den Klick zu registrieren. Man kann einen Klick z.B. auch per JavaScript registrieren und einen AJAX-Request dafür abschicken. Diese Methode ist allerdings aufwendiger und weniger robust, sodass man weniger darauf achten muss, weil sie in der Praxis nicht eingesetzt wird. Alle Methoden Klicks zu registrieren kann man aber immer im "Network"-Tab der Entwicklerkonsole sehen. In Chrome und Firefox können solche Konsolen mit der Taste F12 angezeigt werden. Ich lade sehr dazu ein Mal auf Redirects bei scheinbar direkten Links zu achten und Rückschlüsse daraus zu ziehen, ob die eigenen Lieblingsseiten dich überwachen oder nicht.