Was tun mit unseren Spuren in der Öffentlichkeit?

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Wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen hinterlassen wir Spuren. Wenn wir eine Straße entlang laufen und jemand fotografiert seine Einfahrt könnten wir auf dem Foto sein. Das Foto kann in die digitale Sphäre gelangen und dort finden sich andere, digitale Spuren wie Tweets oder Kommentare in Blogs. Mit etwas Technik können diese Daten zusammen geführt und ausgewertet werden. Dabei entsteht eine ernsthafte Gefahr für unsere Privatsphäre. Wie sollte man mit dieser Gefahr umgehen?

Das Problem ist nicht neu. Seit es Fotos gibt, könnten wir auf Schnappschüssen drauf sein. Seit es das Internet gibt, hinterlassen wir dort Spuren. Seit Web 2.0 sind unsere Spuren auch für Nicht-Techniknerds lesbar geworden. Geräte wie Smartphones veranlassen uns mehr und mehr Spuren zu hinterlassen. Wer all diese Daten zusammen führt hat bereits ein sehr detailliertes Profil von unserem Leben, ganz ohne dass explizit private Informationen ausgehorcht wurden.

Als mündige Bewohner des Internets muss uns die Gefahr bewusst sein, dass jemand alle Informationen zu uns zusammen tragen könnte und damit ein Profil erstellt. Google, Facebook, Microsoft, Apple und Twitter tun das ganz sicher (und führen die öffentlichen Informationen mit weniger öffentlichen zusammen, die ihnen nicht unbedingt bekannt sein sollten). Geheimdieste wie die NSA sammeln sowieso alle Informationen und erstellen ein Profil. Wir müssen uns also sowieso gegen diesen Angriff auf unsere Privatsphäre verteidigen. Zu unseren Möglichkeiten zählt:

  • Spuren reduzieren:
  • GPS am Handy mal deaktivieren und prüfen welche Apps darauf zugreifen
  • Cookies löschen (z.B. mit einem Plugin wie dem Vanilla Cookie Manager)
  • Verschiedene Suchmaschinen benutzen (meine Empfehlung ist StartPage)
  • Tweets ohne Geo-Koordinaten und ohne private Informationen bzw. sowas nur selten machen
  • Wlan am Handy deakivieren, wenn man die Wohnung verlässt
  • Flugzeugmodus aktivieren, wenn man keinen Anruf empfangen muss
  • Diaspora statt Facebook verwenden (kostenloser deutscher Diaspora Pod)
  • Spuren verwischen:
  • Tweets und Bilder mit falschen Geo-Informationen veröffentlichen
  • Tweets timen, damit aus den Metadaten weniger Rückschlüsse auf den Tagesablauf möglich sind
  • Sinnlose Suchanfragen bei Google und Facebook, am Besten per Bot
  • Mehrere Pseudonyme online benutzen und jegliche Beziehung zwischen diesen verschweigen
  • Accounts und Pseudonyme öfter wechseln
  • Ironie und Sarkasmus verwenden (Bots können das nur schwer erkennen)
  • Verschlüsseln:
  • PGP bei Mails
  • HTTPS mit forward secrecy benutzen
  • Files als verschlüsselte Container frei geben und das Passwort verschlüsselt mailen
  • Verschlüsselte Container ohne nützliche Daten öfter mal irgendwo hochladen und den Link dazu posten

Das klingt jetzt so, als müssten sich nur die Bürger schützen und sie sind selbst schuld, wenn sie das nicht tun. Ich verwehre mich dieser Sichtweise, weil jeder, der Daten anvertraut bekommt die Verantwortung hat diese zu schützen. Ich finde es abscheulich, was die NSA tut und ich verurteile Google, Facebook, Apple, etc. für ihre Sammelwut privater Daten und ihre Erstellung von Profilen über jeden von uns. Es ist verwerflich die Privatsphäre von Nutzern als Geschäftsmodell zu verwenden und es ist auch verwerflich diese aus weniger kommerziellen Gründen zu verletzen. Die Privatsphäre wird nicht ausgesetzt, weil ein Raum öffentlich ist, egal ob digital oder analog. Einen Schnappschuss oder Screenshot zu machen ist nicht schlimm. Aber es ist schlimm öffentliche Informationen so zusammen zu tragen, dass ein privates Bild eines Lebens ensteht.

Meine moralische Argumentation gegen die Erstellung von Profilen über Nutzer wird diejenigen, die damit Geld verdienen nicht davon abhalten das zu tun. Daher auch meine Tipps am Anfang. Wir haben technische Möglichkeiten uns zu schützen, auch wenn wir alle gerne in einer Welt leben würden, wo diese nicht gebraucht werden.